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18Apr/14

Warum haben wir eigentlich Angst vor Spinnen ?? – Ursachen für Spinnenphobie

Als Auslöser für Spinnenphobie kommen verschiedene Gründe in Frage. Der genaue Grund bzw. Ursache für eine Spinnenphobie ist nicht exakt bekannt und wird durchaus kontrovers diskutiert. wie nachfolgend etwas genauer dargestellt wird.

Spinnen sind in europäischen Breitengraden  nur selten auch gefährlichen Tiere. Weltweit gibt es ca. 35 000 Spinnenarten, davon leben in Europa etwa 1300. Natürlich stellen die meisten Spinnen ein Gift her. Dieses brauchen sie schließlich für den Beutefang. Weltweit betrachtet kann das Gift von ca. 30 Spinnenarten für den Menschen lebensgefährlich werden.
In Deutschland gibt es allerdings keine heimischen Spinnenarten, die für einen gesunden Menschen lebensgefährlich werden könnten.

Wenn also Spinnen nur in seltenen Fällen für den Menschen gefährlich werden, und statistisch gesehen keine Gefahr von ihnen ausgeht, warum hat denn dann mehr als ein Viertel der Bevölkerung eine Aversion oder gar Angst vor Spinnen?

Für die Ursachen der Spinnenphobie gibt es in der Tat verschiedene Erklärungsversuche bzw. -ansätze, die teilweise durch diverse Studien untermauert werden.

1. Evolutionsbiologische Ursachen für Spinnenphobie

Studienergebnisse von Martin Seligman

Ein Erkärungsansatz geht auf den Pyschologen Martin Seligman, der 1971 eine Studie zum Thema “Phobien und biologische Bereitschaft” veröffentlicht hat. Damit ist keine Rufbereitschaft gemeint, sondern es geht um ein pyschologisches Konzept bzw. Hypothese, wonach der Mensch  auf bestimmte Reize, Objekte oder Situationen – evolutionsbedingt – mit Angst reagiert. Der “Sinn” dieser Angstreaktion ist potentiell gefährlichen Objekte oder Situationen aus dem Weg zu gehen und nicht in Lebensgefahr zu geraten.
Deshalb können bestimmte Situationen und Gegenstände, genetisch bedingt, leichter zu sogenannten “Furchtobjekten” werden. Ein eindrucksvollen Beispiel sind Schlangen und Spinnen, für die wir eine “angeborene” Angstbereitschaft besitzen. Sie diente unseren Vorfahren  zum Überleben  ihrer Art. Anders verhält es sich bei Dingen, die evolutionsbiologisch neu sind. Kaum jemand fürchtet sich vor einem neuzeitlichen Objekt wie beispielsweise einem Auto, obwohl von ihm durchaus eine erhebliche Gefahr für Leib und Seele ausgehen kann, wie die vielen Verkehrstote im Jahr leider eindrucksvoll belegen.

Untersuchung von Pavol Prokop mit Schulkindern

Der slovakische Biologe Pavol Prokop hat eine Untersuchung bezüglich dem Verhalten gegenüber Spinnen mit Schulkindern in der Slowakei sowie in Südafrika durchgeführt. Dazu wurden die Kenntnis und die Einstellung gegenüber Spinnen von ca. 350 High School Schüler im  Alter zwischen 14 und 17 Jahren mit eine speziellen Fragebogentechnik in beiden Ländern untersucht. Mit Südafrika und der Slowakei wurden zwei kulturell verschiedener Länder betrachtet, in denen die Wahrscheinlichkeit von einer Spinne gebissen zu werden, unterschiedlich hoch ist. In Südafrika gibt es mindestens 2000 verschiedene Spinnenarten, wovon einige Exemplare gefährlich für den Menschen werden können. In der Slowakei existieren ca. 1000 Spinnenarten. Keine von diesen ist für den Menschen gefährlich.
Ein signifikantes Ergebnis der Studie belegte, dass südafrikanische Schüler größere Angst vor Spinnen haben als slowakische. Dieses Resultat unterstützt die biologische Bereitschaftshypothese von Martin Seligman. Die Hypothese sagt eine “größere” Spinnenangst in Südafrika als in Europa voraus, weil in Südafrika einige Spinnen mit Giften ausgestattet sind, die dem Menschen sehr gefährlich werden können.

Es sei an dieser Stelle angemerkt, das mit Hilfe der Urangst-Theorie von Seligman auch andere Phobien wie die Angst vor Schlangen, Höhenangst oder auch die Angst vor Dunkelheit plaubsibel erklärt werden konnten.

2. Kulturelle Ursachen für Spinnenphobie

Einige Forscher halten die Urangst-Theorie für biologisch nicht haltbar. Sie argumentieren dagegen,  dass das Ekel-Empfinden vielmehr für die Angst vor Spinnen verantwortlich ist.
Untermauert wird diese Annahme durch einige wissenschaftliche Studien und Beobachtungen.

 Studie von Graham Davy

Dazu hat Graham Davy, ein Psychologe an der Londoner City Universität, im Jahre 1994 die Ergebnisse zweier Studien veröffentlicht. Er hat 260 britische Erwachsene hinsichtlich ihrer Einstellung zu unterschiedlichen Tieren untersucht. Folgende Ergebnisse konnte er im Rahmen seiner Studien gewinnen:

  • Menschen, die Angst vor Spinnen haben, haben mit größerer Wahrscheinlichkeit auch Angst vor Kakerlaken, Schnecken oder Würmer als Menschen, die sich nicht vor Spinnen fürchten. All diese Tiere sind  auch keine Jäger im Gegensatz zu Schlangen oder Ratten, sondern vor diesen Tieren “ekelt” man oder frau sich eher.
  • Frauen weisen im Vergleich zu Männern einen höheren Ekel-Grad gegenüber wirbellosen Tieren wie Spinnen sowie gegen Angst-relevanten Tieren wie Schlangen auf.

Gemäß Davies werden Phobien gegenüber Tieren, die keine typischen Jäger sind und zu denen auch die Spinnen gehören, durch eine einzige “Variable” charakterisiert, die er als Ekel-Sensitivität (“disgust sensitivity”) bezeichnet. Der hohe Ekelfaktor vor Spinnen könnte daher rühren, dass sich Spinnen vom Menschen stark unterscheiden und ihre Fortbewegung schwer “berechenbar” ist. Sie tauchen gewissermaßen “plötzlich” im Blickfeld auf. Dieser Ekelfaktor ist nach dieser Theorie verantwortlich für die Spinnenphobie. Hierbei handelt sich nicht um einen evolutionäre sondern eher um eine kulturelle Ursache, die für die Spinnenphobie verantwortlich ist.

3. Erlernte Spinnenangst in der Kindheit

Gibt es Urängste, also angeborene Ängste, oder sind alle Ängste erlernt? Diese Thematik ist nach wir vor Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Studien. Im Abschnitt 1. Evolutionsbiologische Ursachen der Spinnenphobe wurden Argumente und Studien vorgestellt, die die Spinnenphobie als angeborene Angstreaktionen einstufen.
Ein anderer Erklärungsansatz geht davon aus, dass die Angst vor Spinnen bereits während der Kindheit geprägt wird bzw. als Kind im wahrsten Sinne des Wortes erlernt wird. Dazu gibt es natürlich wissenschaftliche Studien, die diese These unterstützen. Man geht davon aus, dass zwar die Veranlagung beim Menschen und insbesondere bei Kindern existiert, sich vor Spinnen (oder gar Schlangen) zu fürchten, die eigentliche Angst vor diesen Tieren aber erlernt werden muss.
Deswegen ist es als Eltern wichtig gegenüber seinen Kindern “korrekt” beim Anblick einer Spinne zu verhalten. Es ist also nicht angesagt, sich hysterisch zu verhalten oder schreiend das Zimmer zu verlassen, wenn man eine krabbelnde Spinne entdeckt. Dieses Verhalten kann auf den Nachwuchs übertragen werden, und dadurch eine permanente Spinnenphobie auf die Kinder übertragen werden.

Zusammenfassung

Es gibt verschiedene Ursachen, die aus (pyschologischer) Sicht für eine Spinnenphobie verantwortlich sein können. Diese werden (in wissenschaftlichen Kreisen) durchaus kontrovers diskutiert.
Zwar “leidet” fast ein gutes Drittel der Bevölkerung in der westlichen Welt mehr oder weniger stark an einer Spinnenphobie. Dennoch ist der genau Grund bzw. Ursprung für diese Angst nicht bekannt.
Folgende Ursachen kommen als Grund für eine Spinnenphobie in Frage

  • Evolutionsbedingte Urangst-Theorie
    Die Angstreaktion auf Spinnen und anderen potentiell gefährlichen Tieren wurde uns nach dieser Theorie mit in die Wiege gegeben.
  • Kulturell-basierte Ursachen für Spinnenphobie
    Gemäß dieser Theorie kann sich aus dem Ekel-Faktor vor Spinnen eine Spinnenphobie entwickeln.
  • Erlernte Spinnenangst
    Die Spinnenangst ist nach dieser Theorie nicht in die Wiege gelegt, sondern muss erst gelernt werden. Dies geschieht in der Regel in der Kindheit, wo eine Orientierung am Verhalten der Eltern erfolgt.

Welche Ursache nun für die Angst vor Spinnen verantwortlich ist oder ob es ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen ist, hängt sicherlich vom Einzelfall und vom Stand der aktuellen Forschung 🙂

 

Quellen:

  1. Seligman, M. E. P. (1971). Phobias and preparedness. Behavior Therapy2, 307-321.
  2. Davey, GC , Br J Psychol. 1994 Nov;85 ( Pt 4):541-54. Self-reported fears to common indigenous animals in an adult UK population: the role of disgust sensitivity.
  3. Prokop, P. et al, International Journal of Science Education 32, 12 (2010) 1665-1688. High school students’ attitudes towards spiders: A cross-cultural comparison